Pressepranger des Tages 8.1.2017

Ein Artikel in der ZEIT zu den amerikanischen Geheimdienstberichten über die angebliche Wahlbeeinflussung zugunsten Trumps durch Russland. Eine schöne Übung in Medienkompetenz. Liest man die Originaldokumente, finden sich darin keine Belege oder Beweise, die Logik ist so ungefähr „Putin hatte die Mittel und das Motiv, also hat er es getan“.

Hat jemand Mittel und Motiv, genügt das nach den Regeln der Kriminalistik für die Begründung eines Anfangsverdachts, für mehr aber nicht. Unter uns Pastorentöchtern: Russland hatte vermutlich die Mittel, den Email-Server von Clinton zu hacken und hat es vermutlich auch getan, klar, hätten die Amis im vergleichbaren Fall auch gemacht, und es würde mich nicht wundern, hätte der BND da auch Neugier entwickelt. Dann wäre aber noch lange nicht gesagt, dass es auch Russland war, das die Mails an Wikileaks gespielt hat. Assange und der nach eigener Aussage in die Beschaffung der Emails involvierte ehemalische britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, haben eine russische Beteiligung abgestritten; die Quelle sei ein internes Leck, kein Hack. Möglich ist eine russische Beteiligung natürlich sehr wohl; das ist nicht der Punkt.

Werden das Fehlen von Belegen oder die Aussagen derjenigen, die es wissen müssen, im Artikel der ZEIT diskutiert? Nein, es werden einfach die Behauptungen der Geheimdienste wiedergegeben. Man macht sie sich nicht ausdrücklich zu eigen, implizit aber sehr wohl.

Zu einem guten Journalisten gehören Skepsis, Abstand und Präzision, immer, insbesondere aber dann, wenn gerade eine Fake-News-Welle gegen Russland läuft, siehe das angebliche Hacking der Stromversorgung in Vermont durch russische Hacker.

Schlechte Journalisten brauchen das alles nicht.

Herr Greven und Frau Gerstlauer, Sie sind einfach schlechte Journalisten.

 

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Ein Gedanke zu “Pressepranger des Tages 8.1.2017

  1. Aber Geheimdienste haben doch immer Recht! Und Quellen, die sie nicht offenlegen können, weil es ja geheime Quellen sind. Spätestens mit der Identifizierung der Massenvernichtungswaffen im Irak haben sie außerdem ihre hohe Zuverlässigkeit bewiesen. Also könnte man natürlich auch direkt schreiben, dass man fest davon überzeugt ist, dass es so gewesen ist, es aber auch ganz anders gewesen sein könnte. Aber das wäre ja keine Meldung mehr, sondern nur noch ein Kommentar.

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