Fragezeichen des Tages 5.4.2017

Angeblicher Gasangriff in Syrien. Was weiß man eigentlich? Es gab einen Bombenangriff durch die syrische Luftwaffe – unbestrittenermaßen – und danach sterben Menschen durch Giftgas, anscheinend ein Nervengas, andere werden verletzt. Viel mehr weiß man nicht. Es gibt einen ungefähren zeitlichen Zusammenhang zwischen Bombenangriff und der Freisetzung von Giftgas, allerdings keine direkten Hinweise auf einen ursächlichen. Soweit mir zu diesem Zeitpunkt bekannt.

Dieser Artikel im Guardian enthält Details, die Indizien für einen Chemiewaffenabwurf durch die syrische Luftwaffe darstellen könnten; wie viel sie wert sind, ist schwer einzuschätzen.

War es Assad?

Cui bono scheint zu sagen: er war es nicht, denn militärisch ist das nutzlos, er hat dazu ohnehin derzeit die Oberhand, und er weiß, dass ihm das außenpolitisch schwer schadet. Und und man sollte meinen, dass Putin ihm schon vor längerer Zeit klar genug gemacht hat, dass er den Einsatz von Giftgas nicht wünscht.

Aber natürlich lässt sich über cui bono immer leicht spekulieren; die Motive und Einschätzungen der Handelnden kennt man letztendlich ja doch nicht, im Nebel eines besonders komplizierten Krieges. Und Menschen tun auch unvernünftige Dinge.

Insgesamt halte ich es jedoch für fraglich, dass Assad den Einsatz von Chemiewaffen hier befohlen hat. Welcher taktisch-militärische Vorteil sollte den Schaden aufwiegen? Es kann nur ein symbolischer sein. Doch ist Einschüchterung, wenn sie denn überhaupt wirkt, so viel wert?

Das schließt natürlich nicht aus, dass ein verrückter Kommandant vorgeprescht ist; dann hätte Assad weniger Kontrolle, als man glauben möchte.

Nur ist das Timing letztlich zu auffällig. Die Rebellen sind in Bedrängnis. Vor vier Tagen geben die Amerikaner bekannt, dass sie nicht mehr auf einem Regimewechsel bestehen. Ein bedeutender Sieg für Assad.

Und kurz darauf lanciert er einen Giftgasangriff und drückt damit alle Knöpfe der Weltöffentlichkeit? Einen Tag vor der Geberkonferenz zu Syrien?

Natürlich möglich. Doch plausibel?

Assad hat in ausreichendem Maße bewiesen, dass er rücksichtslos ist. Darauf, dass er dumm ist, gibt es allerdings wenig Hinweise.

Ob nun stattdessen ein Giftgasdepot der Rebellen durch Bomben getroffen wurde, wie zunächst Russland behauptet hat, keine Ahnung. Absolut nicht auszuschließen ist eine false flag-Operation, wie RT Deutsch es andeutet. Es gibt genügend Parteien, die dazu in der Lage und vermutlich auch bereit wären. Das ist auch nicht schwer, wenn man Material hat und einen Luftangriff erwartet. Und hätte ja auch gut funktioniert, angesichts der Reaktion von Trump heute.

Aber das sind natürlich nur meine Überlegungen, keine Tatsachen.

Da ist es doch gut, dass es so viele Journalisten gibt, die schon ganz genau wissen, was los war. Man sollte ihnen mehr vertrauen. Sie wissen es besser.

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