Kirchenschätzchen des Tages 28.5.2017

„KÄSSMANN NUTZT BIBELARBEIT ZU ATTACKE GEGEN AFD“ ist die Überschrift einer Pressemeldung des epd-Landesdienstes Niedersachsen-Bremen, der sich auf der Website der evangelischen Landeskirche Hannovers findet.

Der vollständige Text der Bibelarbeit ist dortselbst auch verfügbar.

Man lese selbst und mache sich seine eigenen Gedanken. Vieles hätte ich dazu zu sagen, hätte ich die Zeit dafür, und gerne würde ich Frau Käßmann fragen, welche „Hetztiraden“ von Frau Weidel sie eigentlich genau meint (siehe Bibelarbeit), denn ich wüsste gerne, ob sie damit überhaupt an Konkretes anknüpft oder nur an ihre Zuschreibungen an böse Rechte, denen gegenüber beliebige solche Zuschreibungen und Verstöße gegen das achte Gebot ja immer in Ordnung gehen, auch für gute Christen. Ebenso sähe ich zu dem auf die AfD im Allgemeinen gemünzte Zitat einigen Diskussionsbedarf, und meine eigenen Diskussionsbeiträge wären vielleicht nicht vollständig von einem Geist des Respekts getragen.

Bei der Lektüre der Bibelarbeit, Sozialarbeiterprotestantismus in Reinkultur, aber springt eines unmittelbar ins Auge: ob richtig oder falsch, ob interessant oder nicht, ob angemessen oder wertvoll oder nicht – eine Religion, die von diesem Geist geleitet wird, hat keine Zukunft, denn sie hat keine Kraft. Sie scheint mit den Worten Rod Drehers vor allem „moralistisch-therapeutischer Deismus“ zu sein. Sie mag sich in der Breite ein Weilchen halten, aber nicht in der Tiefe. Und irgendwann wird sie nicht mehr nur abbröckeln, sondern einfach in sich zusammensacken wie ein misslungenes Soufflé.

Man stelle sich vor, ein an sich unvoreingenommener junger Mensch, religiös interessiert, nicht allzu rationalistisch, hätte die Wahl zwischen diesem schwächlichen Protestantismus und einem kraftvollen Islam. Wie mag dieser Mensch sich wohl entscheiden?

Nun bin ich nicht mehr nah genug an diesem Milieu, um beurteilen zu können, ob die evangelische Kirche wirklich bereits vollständig käßmannisiert ist. Ich habe aber lange nichts mehr wahrgenommen, das dagegen sprechen würde.

Nachtrag: Ich vergaß, darauf hinzuweisen, dass der Text der Bibelarbeit die Lektüre in Gänze jedenfalls unbedingt wert ist, denn wer sich vorher unter Käßmannismus oder Käßmannisierung wenig vorstellen konnte, dem werden diese Begriffe hinterher unmittelbar einleuchten.

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