Presseschätzchen des Tages 12.6.2017

Stuttgarter Prälatin Arnold übernimmt CSD-Schirmherrschaft, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Nun, ich habe an sich überhaupt nichts dagegen, weder gegen die Schirmherrschaft einer Prälatin der evangelischen Landeskirche noch gegen den CSD, auf dem ich in jungen Jahren als mitfeiernde Hete öfter einigen Spaß hatte. Und natürlich gibt es hier auch einen Bezug zur innerkirchlichen Auseinandersetzung über die Homoehe. Mir ist klar, dass sich die Kirche in der Frage positionieren muss und dass angesichts des Geistes des modernen Protestantismus, der gar nicht anders kann, als homosexuelle Lebensverhältnisse sehr weitgehend zu akzeptieren, es dabei um nicht viel mehr als Symbolik geht. Und für die Homoehe spricht viel, dagegen aber nur wenig. Doch nun gleich Schirmherrin des CSD? Diese Veranstaltung ist nicht einfach eine Demonstration für die Rechte Homosexueller; sie pfeift nun ausdrücklich auf jede, wirklich jede Sexualmoral, ob homo oder hetero; darum geht es ja eigentlich wirklich. Kann eine christliche Konfession ohne eine solche überleben, allgemeiner ohne irgendein Sittengesetz, das nicht über das, was der Zeitgeist ohnehin sagt, hinausgeht? Kann sie dem völligen Hedonismus Grenzen setzen, über ein „was Du nicht willst dass man Dir tu“ hinaus? Und wenn sie es nicht kann, muss sie dann gleich auch mitmachen? Das frage ich mich als Außenstehender. Was bleibt dann eigentlich übrig von Luther und der Bibel, außer piep-piep-piep-Gott-hat-uns-alle-lieb-wir-haben-uns-alle-lieb?

Wenig. Und von der evangelischen Kirche wird auch wenig übrig bleiben.

Das ist gar keine Kritik an der Frau Prälatin; ich habe ja wie gesagt nichts gegen den CSD und will Menschen selbst keine Sexualmoral vorschreiben.

Doch der Protestantismus als christliche Konfession löst sich geistlich vor unseren Augen auf. Vermutlich vollzieht sich einfach Unvermeidliches, denn im Säurebad des modernen Denkens können religiöse Dogmen nicht bestehen und es kann wohl gar nichts anderes herauskommen als der schon erwähnte moralistisch-therapeutische Deismus, ein schwacher Nachhall des Christentums, der alles letztlich toleriert (außer der AfD) und dem Hedonismus keine Grenzen mehr setzen kann und will, von dem er ja selbst nur ein Ausdruck ist. Wer es nicht schafft, seinen Glauben diesem Säurebad zu entziehen, ihm einen konkreten, unantastbaren, eigenen Kern zu lassen, wird ihn verschwinden sehen, jedenfalls in der Tiefe, wenn auch nicht gleich in der Breite.

Ich könnte sagen gute Reise, doch das fällt schwer. Die Musik Bachs wird es weiter geben, aber es wird ihr etwas fehlen. Nur Wehmut wird wehen durch leere Kirchen.

 

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