Presseschätzchen des Tages 17.6.2017

Das hochspannende Feld der Populationsgenetik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die Kosten für die Genanalyse dramatisch gefallen sind (leider kann ich eine sehr eindrucksvolle Grafik hierzu gerade nicht mehr finden; wird vielleicht nachgetragen). Damit werden immer schneller immer sicherere Erkenntnisse über die Abstammungslinien von Bevölkerungsgruppen gewonnen.

Schon vor einigen Jahren kam z.B. eine Analyse zu dem Schluss, dass jeder zweihunderste Mann auf der Welt in direkter männlicher Linie von Dschingis Khan abstammt, und damit natürlich noch ein viel größerer Anteil aller Menschen in indirekter Linie.

Natürlich ist das ein Thema für geistig Erwachsene; Forschungsergebnisse können nationalistische Empfindlichkeiten berühren oder allzu leicht in Theorien von Über- oder Unterlegenheit von Gruppen Verwendung finden. Also Triggerwarnung.

Erst vor ein paar Jahren hatte ich davon erfahren, dass die Theorie der arischen Invasion Indiens, bei uns Standardvorstellung seit mindestens zweihundert Jahren, nicht unumstritten sei; es gibt die „Out of India„-Theorie, nach der sich die indoeuropäischen Sprachen aus Indien heraus verbreitet hätten. Das klang mir spontan ein wenig sehr von indischem Selbstwertgefühl getrieben, das ganz schön wild flackern kann, aber es gab genetische Studien, die keinen erhöhten Genfluss nach Indien in der kritischen Zeit vor ca. 3.500 4.000 festgestellt hatten. Weil sie die in weiblicher Linie vererbte mitochondriale DNA (mtDNA) untersucht hatten. Nun gibt es ein wichtiges Forschungspapier, das die Frage anhand der männlichen Y-DNA ein für alle Mal geklärt haben will. Die Invasoren waren eben Männer.

How genetics is settling the Aryan migration debate.

Der Artikel in „The Hindu“ ist lang und informativ; für mich besonders interessant sind aber die Reaktionen der Leser darunter. Die Erkenntnis kommt nicht gut an.

Weiterführend sind auch manche Kommentare unter diesem Blogpost, über den ich auf den Artikel aufmerksam geworden bin.

P.S.: Nordindien war zur Zeit der Invasion der Arier meines Wissens nach schon recht dicht besiedelt. Es brauchte also eine größere Anzahl männlicher Krieger. Wenn nach den Genanalysen wenig Frauen dabei waren, muss ja auch eine größere Anzahl Frauen zurückgelassen worden sein. Invasionen durch männliche Eroberungsheere waren in der Geschichte nicht selten. Gibt es eigentlich auch eine Geschichte der zurückgelassen Frauen?

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