Trump und der Welthandel

Eines der grundlegendsten Gesetze des Universums ist Stein’s Law:

What cannot go on forever, won’t.

Was nicht ewig so weitergehen kann, wird es nicht.

Das klingt selbstverständlich und ist es auch. Dennoch neigt der Mensch dazu, es zu übersehen.

Auf den Welthandel angewendet, bedeutet das:

Die amerikanischen Leistungsbilanzdefizite können nicht ewig so weitergehen und werden es auch nicht.

Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse können nicht ewig so weitergehen und werden es auch nicht.

Man kann abwarten, bis sich das von allein ändert, vermutlich unter größeren Schmerzen. Oder man kann gegensteuern. Trump steuert dagegen, mit den Mitteln, die er hat, und in seinem Stil. Das ist nicht schön anzuschauen und auf dem Weg könnte einiges kaputt gehen, darunter vermutlich Dinge, die nicht kaputt gehen sollten, und Dinge, die im wohlverstandenen amerikanischen Interesse verzichtbar sind, wie die amerikanische Hegemonie über den Westen. Seine Vorgänger hätten längst tätig werden müssen, sie haben es versäumt, nun geht er den kurzen, brutalen Weg.

Eine kluge europäische und deutsche Politik würde ihm in schadensbegrenzender Weise entgegenkommen. Er wird seinen Willen ohnehin bekommen, so oder so, weil er in dieser Frage letztlich am längeren Hebel sitzt. Ob sein Verhalten fair, gerecht, rücksichtsvoll, regelkonform ist, ist dabei leider nicht der Punkt.

Selbst wenn er stürzen sollte – die Katze ist aus dem Sack, das Thema ist auf dem Tisch, der nächste Präsident, ob Republikaner oder Demokrat, kann nicht zum alten Zustand zurück.

Ich hoffe, die deutsche Politik hat verstanden, dass Schadensbegrenzung das Gebot der Stunde ist, dass es um eine tragfähige und verlässliche Einigung geht und dass niemand der Illusion erliegt, man könne durch maximalen Widerstand den status quo erhalten. Was dann die richtige Taktik ist, maße ich mir nicht an, zu beurteilen.

Leider ist nicht nur Trump, wie er ist, sondern auch andere sind, wie sie sind. Ein klügerer Mann hätte auf solche Zickereien verzichtet. Und eine klügere Frau damals auf solche.

P.S. Die Qualität der Medienberichterstattung über die Ereignisse auf dem G7-Gipfel ist wie zu erwarten betrüblich. Wer über Trumps Handelspolitik schreibt, muss dabei eine einfache Tatsache im Kopf behalten: die gegenwärtige Situation ist für die USA sehr nachteilig. Es ist normal, dass Trump sie ändern will. Harte Bandagen sind sein Stil und vermutlich auch die einzige, jedenfalls aber die schnellste und wirkungsvollste Möglichkeit, sich in der Frage durchzusetzen.

Mit diesem Verständnis ändert sich die Wahrnehmung, was seine Provokationen angeht.

 

 

 

 

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