Filmschätzchen des Tages 7.10.2018

Frankreich ist mir ein bißchen Heimat und trotz oder wegen längerer auch beruflicher Aufenthalte verbinden sich mit dem Land sonnig-romantische Vorstellungen und manchmal nostalgische Wehmut nach dem heute verlorenen Frankreich, das in dem albernen und gleichzeitig großartigen Film „Les Bidasses en Folie“ (etwa „die Rekruten drehen durch“) aus dem Jahr 1971 noch lebt. Eine Art Road Movie, anfangs. Man hat die Nase voll vom Alltag, ruft seine Kumpels zusammen, zieht in die Lande und gründet eine Band. Dann passieren komplizierte Dinge, man wird einberufen, verliert die gute Laune aber nicht, schließlich ist man unter Freunden und am Ende ist alles gut. So sollte das Leben sein.

Leider gibt es das nur in OF ohne Untertitel. (Siehe unten, aber nicht gleich hinscrollen, müsst schon noch meinen Text lesen).

Zeit für ein deutsches Remake bzw. eine deutsche Variation. Daher hier meine mal schnell hingerotzte Drehbuchideenskizze:

Ausgeplünderte Startup-Fuzzies in Berlin, der Nerdigste hat gerade beim Börsengang etwas abgesahnt, der Schönling entlassen wg. Pleite, der Solide hat einfach Burnout und hasst seinen Chef, der Schürzenjäger und Kasper rausgeworfen wg. nachhaltigen Flirtens am Arbeitsplatz und noch welche sitzen im Café und sehen, wie ein langhaariger Typ mit einem alten, bemalten VW LT einparkt. Ein Schild hinter der Scheibe weist diesen als zu verkaufen aus. Die Jungs plaudern über das Gefährt. Die Leseratte erwähnt den The Electric Kool-Aid Acid Test, Tom Wolfes Buch über Kevin Kesey and the Merry Pranksters, die in einem bemalten Bus unter reichlichem Drogeneinfluss durch Amerika fuhren (großartiges Buch, übrigens). Aus einem hingeworfenen Vorschlag, sowas müsste man doch auch mal machen, mit weniger Drogen, aber mehr Musik, wird der spontane Entschluss, man einigt sich mit dem Verkäufer, auch darauf, dass die Ummeldung noch eine Weile dauert und packt schnell ein paar Sachen und Musikinstrumente zusammen. Einer muss seine Freundin zwecks Verabschiedung anrufen, der andere diskutiert unverständlich mit seiner augenscheinlich vietnamesischen und immer lauter, schneller und unzufriedener redenden Frau und bleibt dann doch zurück (oder fährt doch mit, mal gucken). Die anderen fahren los ins schöne Unstruttal, wo einer von ihnen ein leeres Grundstück am Rande eines Dorfes geerbt hat. Die Sonne scheint. Irgendwelche Abenteuer und Auseinandersetzungen über den Musikgeschmack auf der Fahrt. Leeres Grundstück. Man macht eine Bestandsaufnahme der musikalischen Fähigkeiten. Einer ist quasi Profi, zwei haben mal in einer Band gespielt, sind aber eingerostet, einer hat rudimentäre Blockflötenkenntnisse aus Schulzeiten und einer kann gar nichts, nicht einmal singen, hat aber eine schön rauchig-männlich klingende Stimme.

Der Plan: man übt zusammen, bis man etwas kann, dann geht man auf große Fahrt als Straßenmusikband. (Würde mir nicht die Hand verdorren bei jedem Versuch, dem Zeitgeist hinterherzuschleimen, würde man beabsichtigen, sich in ein örtliches Rechtsrockfestival hineinzumogeln. Könnte man einiges draus machen.) Zwei Zelte werden aufgebaut und alles ist soweit ok. Dann schlechtes Wetter und schlechte Gefühle, man sieht ein, dass Zelte nicht ausreichen und versucht, sich mit Musik von den Dörflern Baumaterial zu verdienen bzw. zu erbetteln, halbwegs erfolgreich mit einigen lustigen Szenen mit genervten, schrägen oder weiblicherseits sehr zutraulichen Anwohnern. Schließlich steht, wie bei den Bidasses, eine Art Hütte. Man hat dann fleißig geübt und will dann ins nächste kleine Städtchen, um den ersten Straßenmusikauftritt zu probieren. Campingausrüstung wird sicherheitshalber mitgenommen. Kurz vor dem Ziel lockt eine Badestelle an der Unstrut. Man springt ins Wasser, wird plötzlich zwischen einem Haufen Kanus eingeklemmt, muss kenternden Menschen helfen und bemerkt nicht, wie das Auto mit allem Krempel, Wertsachen und Teile der Kleidung geklaut werden. Keine Handys, keine Kreditkarten. Eine Gitarre ist noch übrig und eine Blockflöte. Einer muss sich statt einer Hose mit einem Badetuch behelfen. Einem anderen sind die Schuhe weggeschwommen.

Man zieht zu Fuß ins Städtchen, stellt sich an den Marktplatz, ergattert irgendwoher ein großes Stück Pappe und einen Filzstift und schreibt darauf so etwas in der Art „Alles geklaut, kein Geld, kein Handy, kein Auto, kein Zelt, keine Decken, keine Zahnbürste. Für Sachspenden sind wir dankbar.“ Dann macht man Musik, noch unbeholfen, aber optimistisch. Schließlich, zögerlich, kommen diese auch in Form von alten Decken, einem alten Rucksack etc.. Skeptische bis böse Blicke kommen auch und ein Polizist, der sich aber in ein Gespräch verwickeln lässt und schließlich ihre Anzeige aufnimmt.

Fortsetzung folgt. Über Beiträge und Verlinkungen freue ich mich.