Presseschätzchen des Tages 23.3.2017

Die Nachricht, dass Trump John Bolton zum nationalen Sicherheitsberater ernannt hat, war nicht überraschend, aber um so deprimierender. Bolton fällt seit Jahren durch aggressive, fanatische Einfalt auf; er kennt nur Drohung, Ultimatum und Krieg. Ich kann mir keine schlechtere Besetzung für den Posten vorstellen, wirklich niemanden. Wider besseres Wissen klammere ich mich an die Hoffnung, Trump hätte ihn nur ernannt, um die Neocons ruhigzustellen und einen „worse cop“ zu haben (der bad cop ist er ja schon selbst), und würde ihn anschließend ignorieren. Das ist ein wenig so, wie anzunehmen, Merkel habe, was die Zuwanderung betrifft, einen Plan, außer „möglichst viele Menschen in Deutschland“. Ich schäme mich ja auch dafür, aber der Mensch braucht seinen Schlaf.

Daniel Larison schreibt im American Conservative seit Jahren gegen eine unsinnige und aggressive US-Außenpolitik an und hat Bolton daher schon lange auf dem Kieker. Hier ist absichtlich gewählt ein alter Beitrag über Bolton aus dem Jahre 2012. Klüger ist der Mann seitdem nicht geworden.

 

 

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Presseschätzchen des Tages 19.3.2018

Man muss dieses außerordentlich verräterische Video einfach ganz anschauen; sind keine 2 Minuten. Ein Kommentar erübrigt sich. Eine Presse, die etwas wert ist, würde den am Ende auftretenden Herrn Reul mit Hohn und Spott übergießen, teeren und federn. Aber nicht doch.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in-deutschland/videos/steigt-die-zahl-der-messerattacken-100.html

 

Schätzchen des Tages 18.3.2018

Mit Erstaunen ist mir aufgefallen, dass Dvořáks Cellokonzert H-Moll die Narrenspeise noch nicht beehrt hat. Hiermit nachgeholt mit der ultimativen Aufnahme mit Jacqueline du Pré und dem Chicago Symphony Orchestra unter ihrem Ehemann Daniel Barenboim, damals (1971) auch erst 28 Jahre alt.

Presseschätzchen des Tages 18.3.2018

Den medialen Umgang mit dem Mordversuch an Sergej Skripal bringt der Postillon wie so häufig wunderschön auf den Punkt: Britische Polizei findet Putins Ausweis am Tatort. Sicher ist es möglich, dass Renegaten aus russischen Geheimdiensten an der Tat beteiligt waren. Dass Putin den Anschlag persönlich angeordnet haben soll, ist allerdings m.E. nicht „hoch wahrscheinlich“, wie der britische Außenminister Boris Johnson ohne irgendwelche Belege behauptet, sondern im Gegenteil recht schwer vorstellbar. Welchen Grund sollte er haben? Selbst wenn er Skripal hätte töten wollen, was ich nicht glaube, aber wer weiß, warum sollte er es auf diejenige Weise tun, die den maximalen Ärger auslöst? Warum sollte er maximal provozieren wollen? Die unaufhörliche Medienschlacht gegen Russland und Putin in den letzten Jahren hat vielen den Blick darauf verstellt, dass die russische Außenpolitik in erster Linie reaktiv war, nicht offensiv. Man hat nicht offensiv provoziert, sondern auf Provokationen reagiert, das allerdings in konsequenter Weise, und nur im Falle der Krim sehe ich dann auch ein die Gelegenheit nutzendes offensives Element. Widerstand wird im Westen ja seit längerem grundsätzlich als Provokation aufgefasst. Liest man Reden oder sonstige Äußerungen von Putin, sieht man einen sehr kühlen, nüchternen, abwägenden Kopf, der nur nicht so nachgiebig ist, wie wir im Westen dies wünschen würden. Sein Interesse an einer Eskalation kann ich nicht erkennen. Innenpolitisch hat er dergleichen schon gar nicht nötig (anders als beispielsweise Theresa May). Auch als Warnung an Exilrussen, dass sie nirgends sicher seien – ein immerhin denkbares Motiv – schiene der Einsatz dieses Nervengases massiv überdimensioniert; die Botschaft würde auch bei diskreteren Mitteln verstanden.

Eine false flag Operation westlicher Geheimdienste – einschließlich Israels – halte ich auf der anderen Seite auch nicht für wahrscheinlich, jedenfalls nicht mit politischem Segen. Blieben unautorisierte Aktionen irgendwelcher Geheimdienst- oder ex-Geheimdienstkader, zu deren Herkunft und Motiven man beliebig, aber bisher nur ohne Grundlage spekulieren kann. Oder aber Handlungen von Staaten, die ein Interesse an einer Eskalation haben könnten und in jüngster Zeit eine gewisse Rücksichtslosigkeit und Risikofreude an den Tag gelegt haben, wie etwa Saudi Arabien oder die Türkei. Doch auch das ist reine Spekulation.

 

Fragen des Tages 14.3.2018

Die russische Regierung mag ihre Finger im Mordversuch an Sergej Skripal haben oder auch nicht. Ich vermute, das ist nicht der Fall, jedenfalls nicht auf Willen Putins. Nun kann man Dummheiten von Dummköpfen nie ausschließen. Aus Sicht Putins macht die Sache jedoch wenig Sinn. Skripal hat für die Briten spioniert, wurde in Russland zu 15 Jahren Haft verurteilt und nach vier Jahren im Rahmen eines Agentenaustauschs nach Großbritannien überstellt. Fälle, in denen man ausgetauschten Agenten noch umbrachte, sind mir jedenfalls aus jüngerer Geschichte nicht bekannt. Wozu? Um eine Botschaft an andere potentielle Verräter zu senden? Wäre das den Stress wert? Und warum nimmt man dann Nervengas, und dann auch noch eines, das in der Sowjetunion entwickelt wurde? Als ginge es nicht diskreter. Um maximalen Aufruhr zu erzeugen? Und warum überlebt der Mann dann, vorerst jedenfalls?

Oder wollte man zeigen hey, wir sind so rücksichtslos und ungehemmt, wir machen sinnlose Sachen, nur weil wir es können? Wäre sehr untypisch für die Russen und Putin im Besonderen.

Was immer da los war, die Dinge werden nicht so sein, wie sie scheinen. Vermuten auch andere. Und noch andere.