Schätzchen des Tages 16.5.2019

Jazz mit kraftvollen südafrikanischen Vibes. Louis Moholo (drums) mit You ain’t gonna know me ‚cos you think you know me vom Album Spirits Rejoice. (Das Cover gibt als Künstler das Louis Moholo-Moholo-Oktett an, Wikipedia schreibt das Album Louis Moholo’s Bra Louis-Bra-Tebs & Octet gut; ganz verstehe ich das nicht. Egal.)

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Noch einmal zum Giftgasvorfall in Duma

Vorgestern hatte ich schon auf einen betreffenden Bericht auf moonofalabama.org verlinkt, nun hat sich auf Florian Rötzer auf telepolis mit neuen Erkenntnissen zum angeblichen Giftgasvorfall in Duma im April 2018 beschäftigt. Beweismittel wurden gefälscht und der gesamte Vorfall war daher vermutlich inszeniert.

Es ist mein ständiges Lamento, dass wir von einer unfähigen und von Feindbildern und Ideologien verblendeten Presse teilweise desaströs schlecht informiert werden. Wer mir das nicht glaubt,  kann sich ja anhand der Links einmal selbst ein Urteil über die Sache bilden, überlegen, ob die Sache Nachrichtenwert hat, und dann abwarten, ob er auf zeit.de, spiegel.de oder faz.net etwas davon hören wird.

Trump und Iran

Die amerikanischen Drohgebärden gegen den Iran sind beängstigend. Wenn das nicht in Krieg enden soll – wie will man davon eigentlich wieder runterkommen? Welches für beide Seiten gesichtswahrende Ergebnis ist möglich? Iran wird nicht einfach nachgeben und schon gar nicht werden die Mullahs abdanken. Selbst wenn man einen „Deal“ anstreben würde – wer hat denn heute noch das Vertrauen, dass ein Deal mit Trump irgend etwas wert ist?

Hinter allem scheinen John Bolton und seine Gang zu stecken. Zu Boltons Berufung schrieb ich damals

Die Nachricht, dass Trump John Bolton zum nationalen Sicherheitsberater ernannt hat, war nicht überraschend, aber um so deprimierender. Bolton fällt seit Jahren durch aggressive, fanatische Einfalt auf; er kennt nur Drohung, Ultimatum und Krieg. Ich kann mir keine schlechtere Besetzung für den Posten vorstellen, wirklich niemanden. Wider besseres Wissen klammere ich mich an die Hoffnung, Trump hätte ihn nur ernannt, um die Neocons ruhigzustellen und einen „worse cop“ zu haben (der bad cop ist er ja schon selbst), und würde ihn anschließend ignorieren. 

Meine – nie ernstlich gehegte – Hoffnung habe ich natürlich längst aufgegeben. Bolton hat sich seitdem bemüht, meinen Erwartungen vollauf gerecht zu werden. Und wie immer hat sein Stil bisher auch nicht funktioniert: Maduro ist immer noch Präsident in Venezuela, die iranische Regierung ist unbeeindruckt, Putin macht sein Ding.

Nun scheint es so, als ginge Trump der Konfrontationskurs zu weit, als würde Trump die Bolton-Gang in der Iran-Frage bremsen. Das reicht aber nicht. Der Mann ist gefährlich, egal, auf welchem Posten. Trump muss ihn loswerden. Er ist der Präsident.

 

Der Beitrag schlampiger Journalisten zu Krieg und Massenmord

Wenn der etablierte Journalismus den Feind einmal bestimmt hat, wird alles, was in das betreffende Narrativ passt, begierig und ohne Skepsis aufgesogen und weiterverbreitet. So war für die deutschen Mainstream-Medien bei jedem tatsächlichen und angeblichen Giftgaseinsatz in Syrien vollkommen klar, dass Assad dahinter steckt. Auch bei dem Vorfall in Duma im April 2018 hat die Meute unisono gebellt, obwohl die Fragezeichen absolut unübersehbar hätten sein sollen. Damit ermutigt man Lügen, false-flag-Operationen und agents provocateurs, einfach, weil es ja funktioniert, und fördert so Eskalation, Krieg und Massenmord.

Nun scheint es so, als sei der Vorfall inszeniert gewesen, wie Moonofalabama darlegt. Zuallermindest wurden angebliche Beweismittel gefälscht.

Schätzchen des Tages 10.5.2019

Aus Gesprächen mit jüngeren Menschen gewinnt man den Eindruck, die Vorstellungen von der Nazizeit seien mittlerweile auf eine schlichte Karikatur reduziert worden. Man grüßt mit Heil Hitler, marschiert im Stechschritt, schikaniert Juden und bringt sie später um. Und Krieg. Sonst nicht viel. Das ist m.E. bedauerlich, weil damit auch die Lehren, die man aus der Zeit ziehen kann, begrenzt bleiben. Die hochinteressante Frage, wie eine im Wesentlichen harmlose und unaggressive populäre Kultur mit der mörderischen Aggressivität des Regimes zusammenpasste und zusammenspielte, über die „Brot und Spiele“-Funktion hinaus, stellt sich dann gar nicht.

Wer sich über meine Aussage zur populären Kultur wundert, schaue sich die Filme der Zeit an. Komödien, Musikfilme, leichtes Drama, letztlich nur eine Handvoll echte Propagandafilme, eher milde Propaganda in wenigen anderen, kaum Gewalt und echte Konflikte, durchaus internationale Besetzungen. Außer der Feuerzangenbowle und vielleicht Münchhausen kennen Jüngere diese Filme aber gar nicht, weil sich unsere Sender nicht mehr trauen, sie zu zeigen. Dabei war das bis mindestens in die Achtziger völlig normal und wurde als unverfänglich angesehen, übrigens auch im DDR-Fernsehen. Heute aber würde man als zuständiger Redakteur vermutlich der schlimmsten Dinge verdächtigt.

Unter Unkundigen ist dazu die Vorstellung verbreitet, Jazz und Swing seien damals verboten gewesen. Das ist übertrieben, es wurden da Grenzen gesetzt, die manchmal auch überschritten werden konnten, und im Übrigen waren bis in die Kriegszeit amerikanische Jazzplatten frei erhältlich. Auf Peter Igelhoff und Helmut Zacharias habe ich schon früher verlinkt, nun habe ich ein paar schöne weitere Beispiele ausgegraben.

Freddie Brocksieper, nach Wikipedia der in Istanbul geborene Sohn einer griechischen Jüdin und eines deutschen Ingenieurs, mit Cymbal PromenadeDie Trommel und ihr Rhythmus sowie Ewig denke ich an dich (I Endlessly Think Of You).

Horst Winter mit Congo.

Walter Leschetitzky mit Tanz der Triolen.

Benny de Weille mit Heute macht die ganze Welt Musik für mich!

 

Nachtrag 12.5.

Dieser SPIEGEL-Artikel von 1988 erzählt Interessantes über Jazz im Dritten Reich sowie Freddie Brocksieper.