Schätzchen des Tages 13.8.2018

Bénédiction de Dieu dans la Solitude von Franz Liszt, keinesfalls übertrieben benannt, gespielt von Stephen Hough.

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Webschätzchen des Tages 9.8.2018

Bis Menschen auch bei der Partnerwahl keinen Unterschied mehr zwischen Männern und Trans-Männern bzw. Frauen und Trans-Frauen machen, ist es noch ein langer Weg. Bisher sind sie bockig. Viel Zeit, über Ursachen zu grübeln und Vorurteile abzubauen.

The high rates of trans exclusion from potential dating pools are undoubtedly due in part to cisnormativity, cissexism, and transphobia — all of which lead to lack of knowledge about transgender people and their bodies, discomfort with these unknowns, and fear of being discriminated against by proxy of one’s romantic partner. It is also possible that at least some of the trans exclusion is due to the fact that for some people, sexual orientation might be not (just) about a partner’s gender identity, but attraction to specific body types and/or judgment of reproductive capabilities.

„…Es ist auch möglich, dass zumindest ein Teil der Trans-Exklusion aufgrund der Tatsache erfolgt, das es für manche Leute bei der sexuellen Orientierung nicht (nur) um die Gender-Identität des Partners geht….“. Immerhin, man hält das für vorstellbar.

Ich gönne ja jedem Trans-Mann und jedem Trans-Frau das gleiche Glück, sexuell wie anderweitig, wie jedem anderen, ohne Realitätssinn wird man sich aber einfach unglücklich machen.

Randbemerkung:

Surprisingly, among the 127 participants open to dating a trans person, almost half selected a trans person of a gender incongruent with their stated sexual orientation. For example, 50% of the trans-inclusive straight women and 28% of the trans-inclusive gay men were willing to date a trans woman, even though one wouldn’t expect either straight women or gay men to be attracted to women. Similarly, 50% of trans-inclusive straight men and 69% of trans-inclusive lesbians said they’d date a trans man, even though both groups are presumably only attracted to women. 

Überraschend ist das überhaupt nicht. Ich gehe davon aus, dass dies zum einen Teil auf Unklarheiten in der Terminologie zurückzuführen ist. Nicht jeder weiß, ob ein Trans-Mann nun eine biologische Frau ist, die sich als Mann identifiziert, oder umgekehrt. Zum anderen Teil wird ja vielen die Gender-Identität des Partners nachrangig sein, solange das gewünschte biologische Geschlecht passt. Mir wäre es auch nicht so wichtig, ob sich eine attraktive Frau nun als Mann fühlt oder nicht, solange jedenfalls niemand an ihr herumgeschnippelt hat und keine Hormonpillen Irreversibles ausgelöst haben.

 

 

Nachtrag zu „Rassismus und Heuristik“

Unter der Überschrift „Rassismus und Heuristik“ hatte ich damals das Verschwinden von Sophia Lösche kommentiert, die offenbar von einem marokkanischen LKW-Fahrer ermordet wurde (das war zu der Zeit noch nicht sicher). Nun hat es einen Trauergottesdienst gegeben und Heinrich Bedford-Strohm höchstselbst hielt die Traueransprache, für die er seitdem einiges an Kritik abbekommen hat, insbesondere für die folgende Passage daraus:

Sophia hat ganz aus dem Vertrauen gelebt. Sie hat andere Menschen nicht als potentielle Gefahr, sondern zuallererst als Menschen gesehen, die als gute Geschöpfe Gottes fähig sind zur Mitmenschlichkeit und die selbst Mitmenschlichkeit verdienen. Vielleicht wäre sie noch am Leben, wenn sie aus dem Misstrauen heraus gelebt hätte. Aber wäre das das bessere Leben gewesen? Hätte es ihr Leben sein können? Hätte es die Liebe und Lebensfreude ausstrahlen können, die einfach zu ihr gehörten und die jetzt Spuren im Leben so vieler Menschen hinterlassen, die nie vergehen werden?

Eine Traueransprache soll Trost spenden und, erforderlichenfalls, Unerträgliches erträglich machen, vielleicht einen Sinn aufzeigen, wo sonst keiner zu sehen ist. Insofern wird man irgendetwas sagen, was ihr Vertrauen in Gott und die Menschen lobt. Eine solche Rede ist eine andere, als man sie an die Abschlussklasse einer Mädchenschule zum gleichen Thema halten würde. Als Pfarrer würde auch ich in der Situation bestimmt nicht im Sinne meines oben genannten Beitrags referieren, würde da vielleicht auch eine fromme Lüge einflechten, die mir sonst nicht über die Lippen käme.

Aber muss es denn so dick aufgetragen sein? Muss man denn wirklich so prominent diese unsinnige Alternative aufstellen – ein Leben in Misstrauen versus ein Leben in Liebe? (Und wieso „vielleicht“?). Sind angemessene Vorsicht, schlichte Vernunft keine Möglichkeiten? Es ist ja keineswegs nur eine Trauerrede, sie wird doch allein schon durch den speziellen Anlass und die Person des Redners zum Quasi-Politikum, der sich ja auch die Hinweise auf den „Hass“ nicht verkneift und die Rede zuletzt auf Facebook postet.

Bedford-Strohm redet letztlich sehr öffentlich der blinden, emotionalen Unvernunft das Wort, dem gedankenlosen Gutseinwollen, und stößt damit in jenes Horn, das seit einigen Jahren ununterbrochen dröhnend über das Land tönt und viel Schaden anrichtet. Die Ansprache insgesamt (man lese sie selbst) wirkte auf mich überspannt, fast ein wenig verzückt, eine Märtyrerin heiligsprechen zu können.

Liegt es an mir, bin ich zuwenig evangelisch-lutherische Traueransprachen gewöhnt? Schießt er einfach in verständlicher Weise etwas über das Ziel hinaus oder bildet er sein tatsächliches Denken und Fühlen bzw. Denken-und-Fühlen-Wollen ab? Ich fürchte, Letzteres.

Angesichts dessen, was man von Bedford-Strohm sonst so gehört hat, bestärkt mich seine Ansprache jedenfalls darin, weder ihn noch seine Institution ernst zu nehmen, zuallerletzt als „moralische Instanz“, und nichts damit zu tun haben zu wollen.