Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss

hat mal wieder Rekordhöhen erreicht. Kein Wunder, dass Trump und die EU sich beschweren. Nicht, dass man uns legitimerweise unfaire Praktiken vorwerfen könnte; es kann aber trotzdem nicht so weitergehen und wird es auch nicht.

Wo bleibt eigentlich die ganze Kohle, fragt man sich dazu so ganz naiv. Ein Kleinfamilienausflug trug mich am Wochenende nach Köthen und Bernburg, immerhin beides einmal Fürstensitze. In Köthen war sogar JS Bach einige Jahre Hofkapellmeister. Die Schlösser in beiden Städten sind unrestauriert und heruntergekommen, sie sehen aus wie 1988. Natürlich hat der Leistungsbilanzüberschuss mit den öffentlichen Finanzen wenig zu tun und Sachsen-Anhalt hat das Geld nicht. Aber etwas stimmt nicht in unserem Land, dass wir unser Erbe so vernachlässigen. Das Geld ist gesellschaftlich schon da.

Werbeanzeigen

SPIEGEL Online und ZEIT online zu Smollett

Die Suchfunktion auf ZEIT Online ist leider vollkommen unzuverlässig. Infolgendessen ist der Umstand, dass man damit überhaupt keine aktuellen Artikel zum Thema Jussie Smollett und dem inszenierten angeblichen Angriff auf ihn findet, noch kein Beweis, dass es sie nicht gibt. Google liefert allerdings auch nichts dazu auf ZON.

SPIEGEL Online hingegen hat sich gestern eine Meldung abgequetscht, die man unbedingt einmal gelesen haben sollte. Wie man sich windet und verunklart, um die harte Wahrheit zu vermeiden! Ein Kunstwerk der Verharmlosung.

Zwei Männer hatten Ende Januar 2019 nachts auf offener Straße den Schauspieler Jussie Smollett überfallen, zusammengeschlagen und grob beleidigt – so jedenfalls hieß es bislang. Ob das so stimmt, ist aber wohl völlig unklar.

Nein, es ist keineswegs völlig unklar. Es ist für die Zwecke praktischer Vernunft widerlegt.

Des Weiteren ist von den in dem Zusammenhang festgenommenen „zwei Männern“ die Rede, die verhört und wieder laufen gelassen wurden. Natürlich wird dabei verschwiegen, dass es sich um zwei Nigerianer handelt, von denen einer sein Personal Trainer war.

Man vergleiche den Artikel vom 18.2.2019 8:23 mit diesem Artikel der Daily Mail vom 15.2.2019, also drei von drei Tagen zuvor, der sich im übrigen auch nicht scheut, die beiden nigerianischen Brüder abzubilden. Sind schon ein Hingucker, wenn man auf Männer steht.

Der Artikel auf SPIEGEL Online endet dazu mit sympathieheischenden warmen Worten von Jussie Smollett. Er ist „mxw/AFP“-gezeichnet, es hat also jemand mit dem Kürzel mxw einen Artikel der Nachrichtenagentur Agence France Presse angepasst. Die Originalmeldung von AFP mag schon im Modus der Verharmlosung geschrieben sein; leider geht das Übel ja mittlerweile sehr häufig schon von den Nachrichtenagenturen aus. Sie ist SPON aber zuzurechnen; die näheren Umstände sind schon seit Tagen bekannt und es gäbe keine Rechtfertigung, sich hinter AFP zu verstecken.

Ich gäbe wirklich etwas darum, mal von einem höheren Menschen von SPON zu erfahren, was man sich bei solchen Aktionen eigentlich denkt und ob man wirklich erwartet, noch irgendwie ernst genommen zu werden.

Der Bullshit-Detektor lag mal wieder richtig

Vor guten zwei Wochen ging die Geschichte des amerikanischen Schauspielers Jussie Smollett um die Welt, der von zwei MAGA-Kappen tragenden Männern überfallen worden sein wollte. Mein Bullshit-Detektor schlug Alarm. Als würden in Chicago Trump-Anhänger nachts bei tiefstem Frost darauf warten, dass er zufällig ein Sandwich kaufen geht. Etc. etc. Nun stellt sich raus, das Ganze war inszeniert.

Das zu ahnen, war nicht schwer, darauf brauche ich mir nichts einzubilden. Die Sache war ein naiver feuchter Traum der Relotiusfraktion. Jetzt erkläre man mir, warum ich vor den Medien, die die Sache begierig und völlig ohne die offensichtlich angebrachte Skepsis aufgriffen, den geringsten Respekt haben sollte. Warum ich in das, was sie sonst schreiben, das geringste Vertrauen haben sollte.

Vielleicht sollte man die Bereitschaft, unglaubwürdige Nachrichten, die der Presse in den Kram passen, unkritisch zu verbreiten, auch einfach das Relotiussyndrom nennen.

Mal schauen, ob diese Medien ihre Ehre mit angemessenen Berichten über die jüngsten Entwicklungen retten. Ich wette dagegen.

Wer immer noch unter dem Gell-Mann Amnesieeffekt leidet, dem ist wohl einfach nicht zu helfen.

P.S.: Mit meiner Kritik an den Medien meine ich natürlich nicht alle; einige örtliche Chicagoer Journalisten sind an der Sache sehr hart drangeblieben. Besonders negativ hervorgetan hat sich wieder einmal die New York Times, der ich mittlerweile nichts mehr glaube.

Nachtrag 18.2. 1:15: Das Schweigen der deutschen Prädikatspresse zu den Entwicklungen in diesem Fall ist noch immer ohrenbetäubend. „Crickets“ (im Sinne von „man hört die Grillen zirpen“) sagen Amerikaner gelegentlich, wenn man nichts hört, wo man etwas hören sollte. Vermutlich hat dpa noch nicht die erforderliche einheitliche Sprachregelung geliefert.

 

 

 

Schätzchen des Tages 15.2.2019

Im Alter von nur 26 Jahren verstorben, ist Norbert Burgmüller (1810 – 1836) ein weithin unbekanntes Genie geblieben. Dabei stand sein Talent wohl auf einer Stufe mit Schumann oder Brahms und ich wäre sehr neugierig, was er wohl komponiert hätte, hätte er nur mehr Zeit gehabt.

Seine Klaviersonate F-moll ist kein wirklich großes, aber ein sehr vielversprechendes Werk. Immerhin hat er es mit 16 Jahren geschrieben, wenn man Wikipedia hier glauben darf; da hatte Beethoven natürlich auch noch nichts Besseres zu bieten. Hier wird sie gespielt von Hiroko Maruko.

Sein sehr beachtliches Klavierkonzert in Fis-moll hat er mit 19 Jahren vollendet. Hier wird es dargeboten von Nikolaus Lahusen (Klavier) mit dem Philharmonischen Staatsorchester Halle

 

 

 

Butter als Klimakiller?

Die Produktion eines Kilos Butter verursacht den Ausstoß von „bis zu“ 24 kg CO2-Äquivalenten, sagt man uns. Ein erheblicher Teil davon geht auf das Konto des Methans, das Kühe Kühe ausstoßen, und das sehr viel klimaschädlicher ist als CO2 selbst. Die Wörtchen „bis zu“ mögen hier eine Menge Arbeit verrichten, jedenfalls aber wäre ja die Lösung, den Methanausstoß pro Kuh zu senken, was anscheinend auch recht gut funktioniert, beispielsweise durch Beigabe von Seegras im Futter, aber auch von Wirkstoffen.

Die Methanproduktion von Kühen ist tatsächlich kein ulkiges Detail, sondern von den Größenordnungen und der Wirkung her wirklich relevant. Eine rationale Klimapolitik, der es nicht um Tugend, sondern um Wirksamkeit ginge, würde sich etwas mehr dahinterklemmen, hier Lösungen zu finden und sie umzusetzen. Das sind Früchte, die viel niedriger hängen als der Umbau des Kraftwerkparks.